Wildsauce (Sauce Gibier)

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Saucen sind die Königsdisziplin in der herzhaften Küche. Gute, handwerklich gekochte Saucen brauchen Zeit, Geduld, eine gewisse Hingabe und natürlich gute Zutaten. Pülverchen oder sonstige industrielle Convenience-Produkte haben in einer guten Sauce nichts, nein, überhaupt nichts zu suchen. Das Hantieren mit Pülverchen aus der Industrie – sei es nun ein Brühpulver, ein Bratenjus-Pulver, ein Saucenbinder oder sonst irgendein geschmacksverstärkergeschwängertes Pulver ist für mich die kulinarische Bankrotterklärung jeder Köchin und jedes Koches.

Mutter Natur hat uns eine solche Fülle von tollen Produkten als Zutaten geschenkt, so dass wir uns im „Aromaschrank“ der Natur reich bedienen können und nicht auf fragwürdige Convenience-Produkte zurückgreifen sollten. Ein wenig Wissen um die Zubereitung, ein wenig Zeit und Hingabe und ein gutes Rezept bringen eine Sauce hervor, die Gäste gerne und reichlich nach nehmen und verbleibende Reste noch mit dem Löffel vom Teller kratzen. Lediglich das anerzogene gute Benehmen hält sie davon ab den Teller abzulecken.

Wenn Ihr die Sauce bzw. den Saucen-Ansatz auf Vorrat zubereitet und einfriert oder einkocht, dann relativiert sich der Zeitaufwand. Die Fotos sind entstanden, als ich nur so ca. 800 g Knochen und Parüren zur Verfügung hatte. Daher werden die Mengen bei Euch deutlich größer sein, wenn Ihr das nachfolgende Rezept mit den angegebenen Mengen nachkocht.

Das Wissen um die Zubereitung und ein gutes Rezept folgen gleich. Jetzt müsst Ihr nur noch ein paar Zutaten und etwas Zeit sowie ein bisschen Hingabe hinzufügen und schon habt Ihr eine Wildsauce nach der Ihr, Eure Familie und Eure Gäste sich die Finger schlecken werden:

Zutaten:

2.000 g Fleischknochen vom Wild (bevorzugt Reh, Hirsch oder Dammwild) Besonders gut eignen sich die Knochen des Rückens – maximal 500 g der Knochen kann auch durch Parüren oder Fleischabschnitte ersetzt werden.
200 g Möhrenscheiben
200 g Knollensellerie-Würfel
200 g Lauchstreifen/-röllchen
8 g Puderzucker (ca. 1,5 TL)
40 g Tomatenmark (ca. 1,5 EL)
800 ml kräftigen Rotwein
400 ml roten Portwein
3.200 ml Wildfond
120 g Butterschmalz zum Anbraten der Parüren und/oder der Fleischabschnitte sowie des Röstgemüses
2 Stück große Bouquet Garni, bestehend aus Rosmarin, Thymian, Petersilie und Lorbeerblatt
4 Stück Zitronenschale (ca. 8 g)
4 Stück Orangenschale (ca. 12 g)
12 g frischen Knoblauch (ca. zwei große Zehen)
4 g frischen Ingwer (ca. 2 nicht zu große Scheiben)
4 g Wacholderbeeren (ca. 45 Stück)
4 g Piment (ca. 36 Stück)
1 g Zimtrinde (ca. 1/4 Zimtstange)
1 g Vanilleschote (ca. 0,5 Vanilleschote)
5 g Meersalz (ca. 1 TL)

Zubereitung:

(1) Die Fleischknochen vom Wild mit einem Küchenbeil in ca. walnussgroße Stücke zerteilen. Bei Rückenknochen die einzelnen Wirbel mit einem Küchenbeil voneinander trennen. Ihr könnt den Wildhändler oder Jäger fragen, ob sie diese Arbeit für Euch übernehmen können. Die Knochenstücke mit Abstand auf zwei Backbleche verteilen und bei 200 °C Umluft für 30 Minuten rösten. Ihr könnt die Knochen ruhig in den kalten Ofen schieben, die Zeit aber erst dann nehmen, wenn der Ofen die Temperatur erreicht hat.

(2) In der Zwischenzeit die Röstgemüse (Möhren, Knollensellerie und Lauch) waschen. Von den Möhren den Grünansatz und die Wurzel abschneiden, die Möhren schälen, halbieren und in dünne, ca. 3 mm-Scheiben schneiden. Ich halbiere die Möhren, weil die halben Möhrenscheiben beim Schneiden nicht wegrollen. Die Knollensellerie schälen, halbieren und in Scheiben schneiden. Die Scheiben zunächst in Streifen, dann in Würfel schneiden. Den Lauch besonders gründlich waschen, um sämtliche Erde zu entfernen. Anschließend den Lauch in feine Streifen/Ringe schneiden.

(3) Den Puderzucker ohne Fett in einen Topf geben und goldbraun karamellisieren lassen. Das Tomatenmark hinzugeben und unter häufigem Rühren abrösten, bis sich auf dem Topfboden ein rotbrauner bis rostbrauner Bratensatz bildet. Rotwein und Portwein mischen und mit einem Drittel der Menge das Puderzucker-/Tomatenmark-Gemisch ablöschen und den Bratensatz loskochen. Alles sirupartig einkochen. Jetzt das zweite Drittel des Rotwein-/Portwein-Gemisches hinzufügen und wieder sirupartig einkochen. Zum Abschluss das letzte Drittel des Rotwein-/Portwein-Gemisches hinzufügen und erneut sirupartig einkochen. Jetzt den Ansatz mit dem Wildfond aufgießen.

(4) Die gerösteten Wildknochen zum Saucenansatz hinzufügen und das ausgetretenen Fett entsorgen.

(5) In einer Pfanne etwas Butterschmalz schmelzen lassen und die Parüren und Fleischabschnitte scharf mit kräftig Farbe anbraten. Die angebratenen Parüren zum Saucenansatz hinzufügen.

(6) In der Pfanne die Röstgemüse (Möhren, Knollensellerie und Lauch) in Butterschmalz anschwitzen. Die Gemüse können gerne ein paar braune Bratspuren aufweisen. Die angebratenen Gemüse zum Saucenansatz geben und alles bei geschlossenem Deckel 2 Stunden sanft kochen lassen.

(7) Ein Bouquet Garni aus Rosmarin, Thymian, Petersilie und Lorbeerblatt binden. Die weiteren Gewürze und Aromaten abmessen/abwiegen und unbedingt in ein Gewürzsieb geben, um die Gewürze vollständig entfernen zu können (wichtig!). Nach den zwei Stunden Kochzeit das Bouquet Garni und die Gewürze hinzufügen und für weitere 30 Minuten sanft kochen lassen.

(8) Nach Ablauf der Kochzeit das Bouquet Garni und die Gewürze entfernen und den Saucenansatz abpassieren. In den Knochen und im Gemüse befindet sich noch soviel Aroma, das es zu nutzen gilt: Also die Knochen und das Gemüse zurück in den Topf, knapp mit Wasser bedecken und eine Stunde sanft kochen lassen. Die Gewürze müssen für die Nutzung der Aromen, die noch an den Knochen und den Gemüsen sozusagen „anhaften“, entfernt werden, weil sie sonst einen unangenehmen Geschmack in den Fond bringen würden.

(9) Nach der Kochzeit den entstandenen Fond abpassieren und mit dem Saucenansatz mischen. Die Knochen und Gemüse können jetzt entsorgt werden. Den abpassierten und gemischten Saucenansatz jetzt auf ca. 2.000 ml einreduzieren. Damit steht die Grundlage, der Ansatz für eine kräftige, aromatische Wildsauce.

Tipps:

Die Saucen-Menge pro Person abzuschätzen ist immer von mehreren Faktoren abhängig: Die Vorliebe der jeweiligen Person für viel oder wenig Sauce, der Appetit der Person (Menge der Beilagen) und der Beilage, die üblicherweise mit Sauce gegessen wird.
Pasta, Spätzle, Knödel und Reis bedürfen in der Regel mehr Sauce als Püree/Stampf, Kroketten/Herzogin-Kartoffeln oder Kartoffelspalten. Rechnet mit 60 bis 120 ml Saucen-Ansatz pro Person – also aufgerundet für vier Personen 250 ml bis 500 ml.

Der so hergestellte Saucen-Ansatz für eine Wildsauce, die Sauce Gibier, die eine der braunen Grundsaucen der klassischen französischen Küche darstellt, kann nun nach Belieben verfeinert werden. Die Sauce kann z.B. mit Preiselbeeren, Pflaumenmus, Trockenpilzen, Schokolade, Sherry, Madeira, Portwein oder anderen zusätzlichen Aromaten verfeinert werden. Dabei nicht zu viele Aromaten kombinieren und diese sparsam einsetzen, damit die Sauce nicht den Fleischcharakter verliert. Abgeschmeckt werden sollte die fertige Sauce mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer.

Wenn die Sauce nur eine leichte Bindung erhalten soll, verwendet pro 100 ml Saucenansatz 15 g eiskalte oder sogar angefrorene Butter in Flöckchen oder Würfeln. Die Sauce fertig abschmecken und einmal sprudelnd aufkochen und von der heißen Herdplatte ziehen. Jetzt die Butter einrühren bis sie sich vollkommen aufgelöst hat. Die Sauce darf jetzt auf keinen Fall mehr kochen, weil sich dann Butter und Sauce wieder trennen. Die Sauce evtl. mit etwas Salz nachwürzen, weil die Butter den Salzgehalt herabsetzt.

Wollt Ihr die Sauce stärker abbinden, dann zunächst pro 100 ml Saucenansatz 1 bis 2 g Speisestärke in etwas kaltem Wasser glatt rühren. Die Sauce sprudelnd zum Kochen bringen und unter ständigem starken Rühren die Speisestärke-Wasser-Mischung langsam hinzufügen und sehr gut mit der Sauce verrühren. Wenn Ihr Euch unsicher seid, könnt Ihr auch die die Speisestärke-Wasser-Mischung nach und nach bis zur gewünschten Konsistenz hinzufügen. Die Speisestärke braucht jedoch einen Moment zum anziehen. Lasst Eure Sauce also mindestens für 30 Sec. sprudelnd kochen, bevor Ihr weitere Speisestärke hinzufügt.
Sobald die Sauce die gewünschte Bindung hat, sollte sie für zwei Minuten sprudelnd kochen, damit sich der Stärkegeschmack herauskocht.
Anschließend die abgebundene Sauce von der heißen Herdplatte ziehen und die eiskalte Butter unterrühren. Die Sauce darf jetzt auf keinen Fall mehr kochen, weil sich dann Butter und Sauce wieder trennen. Die Sauce evtl. mit etwas Salz nachwürzen, weil die Butter den Salzgehalt herabsetzt.

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