Camping-Küche: Clafoutis mit Erdbeeren vom Camping-Grill mit improvisiertem Deckel

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Camping bedeutet für mich Freiheit und Flexibilität. Man ist ungebunden und wenn es einem irgendwo nicht gefällt, dann packt man halt zusammen und zieht weiter. Camping bedeutet aber auch kreative Problemlösungen finden, Improvisieren und aus jeder Situation das Beste zu machen.

Im Elsass, auf dem Campingplatz Fackenthal, haben wir die „fucking“ kälteste Nacht verbracht – obwohl es Sommer war, kühlte es auf dem schattigen Campingplatz in einem bewaldeten Tal so ab, dass wir trotz aller Decken und voller Bekleidung wie die Schneider gefroren haben. Da heißt es dann, die gute Laune zu bewahren und das Zelt mit steif gefrorenen Fingern abzubauen und möglichst schnell aus dem schattigen Tal zu verschwinden und sich in der Sonne aufzuwärmen.

Auf einem anderen Campingplatz, an der französischen Atlantikküste, haben wir unser Zelt bei Sturm und einem aufziehenden Gewitter aufgebaut. Obwohl ich das Auto als Windschutz und zur zusätzlichen Abspannung des Zeltes verwendet habe, sind in der stürmischen Nacht zwei Glasfaser-Zeltstangen gebrochen. Da diese eingezäunte Zeltwiese am Hang bis auf eine Wasserstelle keinerlei Komfort bot, haben wir sie „Windweide“ getauft.

Ein Bauernhof-Camping, bei dem der Bauer einfach seine Obstwiese für Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile geöffnet hat, bot – nennen wir es mal so – einfachste sanitäre Verhältnisse. Unverputztes Mauerwerk, offenes Gebälk, Spinnweben, blinde Spiegel, zusammengewürfelte Sanitär-Keramik und ebensolche Armaturen, aus denen nur eine einzige Grohe-Armatur als Highlight herausstach, bildeten ein ganz besonderes Flair. Aber aus unserem Zelt schauten wir auf einen Weinberg und das Panorama wurde von einigen bewalteten Hügeln verziert mit einer Burgruine gebildet. Bei weiß-blauem Himmel fast ein Postkartenmotiv.

All das ist mit meinem Pfeifhäschen kein Problem! Aber Camping-Küche ohne Dessert, das geht für meinen geliebten Süßschnabel nicht! Wenn ihr jetzt glaubt, dass es da mit einem Joghurt aus dem Supermarkt getan ist, dann irrt Ihr Euch gewaltig. Nein da muss es schon mehr sein, denn des Pfeifhäschens Motto ist schließlich: „Wenn schon Titanic, dann erster Klasse…“!

Clafoutis, eine Süßspeise, die ihren Ursprung im französischen Limousin hat, bestehen aus einem flüssigen Eierteig, der gemeinsam mit Obst zum Stocken gebracht wird. In der klassischen Rezeptur werden Kirschen als Obst verwendet. Die Kirschen werden dabei nicht entsteint, um den Teig mit dem Kirschsaft nicht zu verwässern.

Clafoutis können aber auch mit anderem Obst zubereitet werden. Alle Beerenfrüchte wie z.B. Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren, … sind sehr gut für Clafoutis geeignet. Ihr könnt aber auch anderes Obst wie z.B. Birnen oder Äpfel verwenden. Bei süßem Obst wie z.B. Mango, Banane oder Nektarine solltet Ihr etwas Zitronen- oder Limettensaft in den Teig geben, damit es nicht einfach nur süß ist. Wir haben uns diesmal für Erdbeeren entschieden.

Für das Stocken der Clafoutis kann gut die Resthitze der Grillkohlen verwendet werden – sie garen sich sozusagen von alleine. Was hier aber unbedingt erforderlich ist, ist ein Deckel, durch den die Hitze nicht nach oben entweichen kann und damit die Clafoutis von allen Seiten mit Hitze versorgt – nur so stockt der Teig, ohne in den Förmchen zu verbrennen.

Unser improvisierter Kugelgrill beim Camping leistet da genau die Dienste, auf die es ankommt:

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Zutaten (2 bis 4 Portionen):

(Zwei große oder vier kleine Portionen)

6 geh. EL gemahlene Mandeln (ca. 60 g)
4 gestr. EL Zucker (ca. 35 g)
1/2 Tüte Vanille-Zucker (ca. 4 g)
2 geh. EL Mehl (ca. 30 g)
3 MSP Backpulver (ca. 0,6 g)
1 Prise Salz (ca. 0,3 g)
5 EL Wasser (ca. 50 ml)
7 EL Sahne (ca. 70 ml)
4 Stück Eier, Größe M
2 Scheiben Butter, ca. 0,5 cm breit (insgesamt ca. 40 g)
250 g frische Erdbeeren
Oder alternativ frisches, säuerliches Obst nach Wahl (bei süßem Obst etwas Zitronen- oder Limetten-Saft hinzufügen)
120 cm Alufolie für die Förmchen (ca. 4 x 30 cm)

Tipp: Wir nehmen uns bereits die fertige Mischung aus gemahlenen Mandeln, Zucker, Vanille-Zucker, Mehl, Backpulver und Salz im Gefrierbeutel verpackt mit und fügen dann nur noch Wasser, Sahne, Eier und Butter hinzu. Sahne haben wir sowieso immer vorrätig, weil wir unseren Kaffee mit Sahne trinken.

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Kurz-Rezept

(1) Aus zweilagiger Alufolie ein Schälchen zum Garen der Clafoutis anfertigen.
(2) Gemahlene Mandeln, Zucker, Vanille-Zucker, Mehl, Backpulver und Salz in eine Schüssel geben, trocken gut vermischen, das Wasser hinzufügen und mit einem Schneebesen zu einer homogenen Masse verarbeiten.
(3) Die Sahne hinzufügen und unterarbeiten. Anschließend die Eier einarbeiten.
(4) Die Reste der Grillkohle ringförmig an der Außenseite des Grills verteilen. Die Aluminium-Förmchen auf den Grill stellen, jeweils eine Scheibe Butter in die Förmchen geben und mit aufgelegtem Deckel schmelzen lassen.
(5) Während die Butter schmilzt, die Erdbeeren vom Stielansatz befreien und in Viertel, Sechstel oder Achtel schneiden.
(6) Mit der flüssigen Butter die Förmchen ausbuttern und den Rest der flüssigen Butter in den Teig gießen und unterrühren.
(7) In die gebutterten Förmchen den Teig verteilen und ca. 2/3 der Erdbeeren hinzufügen.
(8) Den Grill-Deckel auflegen und die Clafoutis, je nach Intensität der Resthitze, für 15 bis 25 Minuten garen. Mit der Stäbchenprobe prüfen, ob die Clafoutis durchgegart sind.
(9) Auf die Clafoutis die verbliebenen Erdbeeren verteilen und in den Aluminium-Förmchen servieren. Nach Geschmack evtl. noch mit etwas Zucker bestreuen.

Ausführliches Rezept

Zubereitung:

(1) Von der Alufolienrolle zwei ca. 30 cm lange Stücke abreißen und übereinander legen. Eine möglichst rechteckige Form – bei mir ist es eine kleine Dose für Vorräte – darauf stellen und die überstehende Alufolie nach oben schlagen.

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(2) Die überschüssige Alufolie in den Ecken zunächst nach außen zusammen falten und dann, zu Stabilisierung der langen Seiten auf die langen Seiten umfalten. Anschließend die Schale entfernen und den Rand der Form nach innen falten.

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Hinweis: Alufolie besitzt zwei Seiten – eine matte/stumpfe und eine glänzende Seite mit physikalisch unterschiedlichen Eigenschaften. Die glänzende Seite reflektiert Licht und Hitze besser als die stumpfe Seite. Rein theoretisch wäre es somit gut, wenn etwas in der Alufolie warm gehalten oder gegart werden soll, die matte Seite nach außen und die glänzende Seite nach innen zu nehmen. Die matte Seite außen absorbiert besser die Wärme und die glänzende Seite innen reflektiert die Wärme im inneren. Warum nun aber theoretisch? Erst ab ca. 500 °C ergeben sich nennenswerte Unterschiede dieser beiden physikalischen Eigenschaften und sind somit für uns in der Küche nahezu irrelevant.

(3) Die gemahlenen Mandeln, den Zucker, den Vanillezucker, das Mehl, das Backpulver und das Salz in eine Schüssel geben. Wenn Ihr, so wie wir, schon eine fertige Mischung habt, dann braucht Ihr nur die Mischung in die Schüssel geben.

(4) Die Bestandteile der Mischung mit einem Schneebesen trocken gut vermengen. Anschließend das Wasser hinzufügen und alles zu einer homogenen Masse verrühren. Das ist sehr wichtig, weil das Mehl in Verbindung mit Ei oder Sahne gerne Klümpchen bildet. Verrührt Ihr aber alles erst mit dem Wasser, dann sollten sich keine Klümpchen bilden.

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Tipp: Wenn Ihr zu Hause Clafoutis macht oder beim Camping einen Stabmixer dabei habt, könnt Ihr damit eventuelle Klümpchen schnell und zuverlässig beseitigen.

(5) Zu der Masse die Sahne hinzufügen und mit dem Schneebesen unterarbeiten bis sich die Sahne komplett mit den anderen Zutaten verbunden hat. Anschließend die Eier hinzufügen und ebenfalls mit dem Schneebesen einarbeiten bis ein dünnflüssiger, pfannekuchenartiger Teig entstanden ist.

(6) Die Reste der glühenden Kohlen ringförmig an der Außenseite des Grills anordnen.

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(7) Die vorbereiteten Aluminium-Förmchen auf das Grillrost stellen und jeweils eine Scheibe Butter in jedes Förmchen geben. Den Deckel auflegen und die Butter in den Förmchen schmelzen lassen.

(8) In der Zeit in der die Butter schmilzt, von den Erdbeeren den grünen Stielansatz entfernen und je nach Größe in Viertel, Sechstel oder Achtel schneiden.

Tipp: Da man beim Camping nicht mehrere Schneidebretter mitnehmen möchte, verwende ich für Dessert und Obst immer die Rückseite vom Schneidebrett. So gelangen keine unangenehmen Aromen von der Oberseite an die Süßspeisen. Gerade Knoblauch, Zwiebeln, Chili, Fisch, etc. können trotz Spülen immer noch Aromenreste oder Gerüche an Süßspeisen abgeben. Und ein Clafouti mit Knoblaucharoma und Fischgeruch wollt Ihr nicht wirklich essen!

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(9) Die Aluminium-Förmchen an einer verstärkten Ecke mit einem mehrfach gefalteten Küchentuch packen (ACHTUNG: Heiß!) und mit der flüssigen Butter das Innere des Förmchens benetzen. Die überschüssige, flüssige Butter aus beiden Förmchen in den Teig geben und mit dem Schneebesen unterrühren und die Förmchen zurück auf das Grillrost stellen.

(10) Den Teig auf die gebutterten Förmchen aufteilen und ca. 2/3 der vorbereiteten Erdbeeren in die Förmchen verteilen. Den Rest der Erdbeeren haben wir dann frisch auf die Clafoutis gegeben – so habt Ihr dann unterschiedliche Texturen von gegarten und frischen Erdbeeren und dem gestockten Eierteig.

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(11) Den Deckel vom Grill auflegen und die Clafoutis in der Resthitze garen lassen. Ich kann hier keine Garzeiten angeben, weil die Intensität der Resthitze sehr unterschiedlich ist. Auch die Windverhältnisse und die Außentemperaturen spielen eine Rolle. Üblicherweise sind die Clafoutis in 15 bis 25 Minuten fertig gestockt.

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Überprüfen könnt Ihr das mit der Stäbchenprobe. Für die Stäbchenprobe verwendet Ihr einen Holzspieß – es kann ein Schaschlikspieß, ein Zahnstocher, ein geschnitztes und von der Rinde befreites Stöckchen, das jedoch an der Oberfläche abgetrocknet sein muss oder ein selbst geschnitzter Spieß sein, den Ihr mittig in den dicksten Teil des Clafoutis steckt. Wenn am Spieß keine Teigreste hängen bleiben ist das Clafouti durchgestockt und servierbereit.

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Während des Garens der Clafoutis haben wir uns noch einen Espresso auf unserem Gaskocher dazu gekocht.

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(12) Ihr solltet die Clafoutis direkt in den Aluminium-Förmchen servieren. Trotz des Butterns werden sich die Clafoutis nur schwer aus dem Förmchen lösen lassen. Der Teig läuft in alle Falten der Aluminiumfolie und Ihr werdet das Clafouti kaum in einer passablen Form auf den Teller bekommen – ich spreche da aus Erfahrung!

Die verbliebenen, frischen Erdbeeren auf den Clafoutis verteilen. Nach Geschmack könnt Ihr die Clafoutis noch mit etwas Zucker bestreuen oder den Zucker zum nachsüßen auf dem Tisch bereitstellen.

Tipp: Wenn Ihr in der Gegend Kräuter findet, die zum Dessert passen, dann könnt Ihr die Clafoutis auch noch mit z.B. etwas Minze, Zitronenmelisse, Zitronenverbene oder sogar Thymian oder Zitronenthymian aufwerten. Thymian oder Zitronenthymian solltet Ihr jedoch nicht mit Erdbeeren kombinieren – hier bedarf es schon Obst mit kräftigeren Aromen wie z.B. Brombeeren, Blaubeeren oder Pflaumen.

Wir wünschen Euch viel Spaß bei der Zubereitung und bon appétit! – guten Appetit!

Euer Pfeifhäschen Barbara
Euer Prinz Mario (ohne Gaul und schimmernde Rüstung)

Die ersten beiden Gänge unseres Camping-Menüs könnt Ihr in dem Beitrag „Camping-Küche: Ein Dreigang-Menü vom Camping-Küchen-Equipment mit vielen praktischen Tipps“ lesen.

Getränk:

Wir trinken dazu gerne einen Espresso – aber ein Dessertwein würde hier natürlich auch gut passen. Das ist allerdings nicht so wirklich campingtauglich, weil man beim Camping einen hochwertigen Dessertwein nicht optimal temperieren kann. Das ist dann doch eher etwas, wenn man aus dem Urlaub wieder zurückgekommen ist. Aber auch da lassen sich Clafoutis wunderbar zubereiten!

Tipp:

Ihr könnt Clafoutis natürlich auch ohne Grill zu Hause im Backofen zubereiten und z.B. die Resthitze nach der Zubereitung eines Ofengerichtes ausnutzen um Clafoutis stocken zu lassen. Hier würde ich natürlich keine Aluminium-Förmchen verwenden, sondern auf feuer- bzw. ofenfeste Förmchen zurückgreifen! Das schont die Umwelt und den Geldbeutel!

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